PIMvendors

Wissensdatenbank · Core

Core

Die PPWR gilt. Ihr Verpackungsdatenmodell ist nicht bereit.

· 2026-09-07 · 5 Min. Lesezeit

Drei SKUs teilen sich eine Faltschachtel. Der Lieferant schickt per E-Mail eine neue Spezifikation mit höherem Rezyklatanteil und einem leicht veränderten Materialmix. Das Marketing aktualisiert die Recyclingsymbole und den Claim-Text. Der Vertrieb nennt weiter die Gewichte und den Materialmix des Vorjahres aus einer internen Tabelle. Monatelang fällt das niemandem auf. Dann fragt ein Kunde nach der Konformitätserklärung, die am Versandtag zu genau diesem Karton gehörte, und niemand findet sie.

Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, wissen Sie bereits, wie sich die PPWR in der Praxis anfühlen wird: weniger wie ein juristisches Briefing, eher wie hektisches Suchen in halb abgestimmten Dateien, Ordnern und Postfächern.

Die europäische Verpackungsverordnung (Packaging and Packaging Waste Regulation, PPWR) gilt seit dem 12. August 2026 unmittelbar in jedem Mitgliedstaat. Die aktuelle Analyse von Viamedici legt den Druck dorthin, wo Produktinformationsteams ihn tatsächlich spüren. Die Verordnung verlangt, dass Sie nachweisen, was zum Zeitpunkt des Inverkehrbringens für eine Verpackung galt, und sie verlangt das lange bevor die meisten Unternehmen ein Programm zur digitalen Transformation abgeschlossen haben, das Compliance überhaupt erst ermöglicht. Wenn Verpackungsinformationen noch als Freitext am Produkt hängen (oder irgendwo in SharePoint), sind schon die Pflichten seit August unangenehm, und die härteren Wellen 2028 und 2030 lassen noch weniger Raum zum Improvisieren.

Was „gilt seit August“ tatsächlich bedeutet

Die PPWR (Verordnung (EU) 2025/40) trat am 11. Februar 2025 in Kraft und wurde nach der Übergangszeit am 12. August 2026 verbindlich, ohne dass sie wie eine Richtlinie erst in nationales Recht umgesetzt werden musste. Nationale Gesetze bleiben für Vollzug und EPR-Mechanik relevant. In Deutschland hat laut Viamedici das VerpackDG am selben Tag das bisherige VerpackG abgelöst.

Die geltenden Pflichten sind operativ. Sie müssen Ihre Rolle je Verpackungsart kennen: Hersteller, Importeur, Bevollmächtigter, Vertreiber, Fulfilment-Dienstleister. Verpackungsarten und Chargen müssen identifizierbar sein. Name, Marke und Kontaktdaten des Herstellers gehören auf die Verpackung oder in die Begleitdokumente. Die EU-Konformitätserklärung und die technische Dokumentation müssen je Verpackungsart vorliegen, bevor jemand danach fragt (und eine Person muss sie unterschrieben haben). Umweltaussagen brauchen Belege. Verpackungen mit Lebensmittelkontakt brauchen PFAS-Nachweise über Lieferantendokumentation.

Nichts davon passt bequem in ein Marketing-Freitextfeld mit der Bezeichnung „Hinweise zur Verpackung“.

Warum die nächsten Termine wehtun, wenn das Modell schwach bleibt

August 2026 war der Beginn der Durchsetzung, nicht das Ende der Arbeit. Ab 2028 brauchen neu in Verkehr gebrachte Verpackungen eine klarere, harmonisierte Kennzeichnung der Materialzusammensetzung (frühestens ab 12. August 2028 bzw. 24 Monate nach den maßgeblichen Durchführungsrechtsakten). Ab 2029 brauchen Mehrwegverpackungen Informationen zur Wiederverwendbarkeit hinter einem QR-Code oder einem ähnlichen Datenträger. 2030 greifen die Rezyklatquoten für Kunststoffverpackungen nach Artikel 7, und sie steigen danach weiter.

Diese späteren Regeln wirken nur dann weit weg, wenn Sie ignorieren, wie lange es dauert, Lieferantennachweise zu sammeln, und wie oft sich Verpackungen ändern, ohne dass sich die SKU ändert. Das eigentliche Problem ist also einfach: Wenn Sie die Aussage, den Beleg dahinter und die am Versandtag gültige Version nicht speichern können, trinken wir 2030 gern einen Kaffee mit Ihnen, während Sie die Geschichte aus E-Mail-Verläufen und SharePoint-Ordnern rekonstruieren.

Machen Sie die Verpackung zu einem eigenständigen Datensatz

Der praktische Ansatz von Viamedici ist keine weitere Compliance-Checkliste. Er besteht darin, die Verpackung nicht länger als Fußnote zum Produkt zu behandeln, sondern als eigenes Objekt. Primär-, Sekundär- und Tertiärverpackung brauchen jeweils Attribute für Materialien, Beschichtungen, Klebstoffe, Rezyklatanteil, besorgniserregende Stoffe, Recyclingfähigkeit und marktspezifische Kennzeichnungstexte. Verknüpfen Sie diese Datensätze mit Produkten und Lieferanten, damit ein Karton, der für drei SKUs genutzt wird, nur einmal gepflegt wird, mit einer Historie darüber, was sich wann geändert hat. Spielen Sie dann die aktuellen Werte an ERP, Compliance-Reporting und Portale aus, statt sie nur dann zu exportieren (oder überhaupt erst anzulegen), wenn jemand in Panik gerät.

So ergibt auch der Rest der Systemlandschaft Sinn. Das PIM kann die Verpackungsattribute, Varianten, Kennzeichnungen und Beziehungen halten. MDM kann verhindern, dass Material- und Lieferantenstammdaten auseinanderlaufen. Das DAM kann Zertifikate, Laborberichte und Konformitätserklärungen der richtigen Verpackungs-ID zuordnen. Das ERP kann Materialnummern, Stücklisten und Mengen verbinden. Die Konformitätsbewertung unterschreibt weiterhin die Rechtsabteilung. Das PIM ersetzt diese Landschaft nicht. Es sorgt dafür, dass sie nicht drei verschiedene Geschichten über denselben Karton erzählt.

PPWR und EPR stützen sich auf überlappende Daten für unterschiedliche Nachweise: die Konformität der Verpackung einerseits, nationale Gebühren und Entsorgung andererseits. Der Digitale Produktpass deckt die Produktebene ab, die PPWR die Verpackung. Wenn Sie Verpackungsdaten jetzt sauber strukturieren, fangen Sie nicht bei null an, wenn die Anforderungen an den Produktpass kommen.

Was vor der nächsten Welle zu tun ist

Die PPWR sollte kein Kennzeichnungsprojekt sein, das allein der Verpackungsentwicklung gehört. Das Produktinformationsmodell gehört wieder auf den Tisch.

Benennen Sie einen Verantwortlichen für Verpackungsdaten. Erfassen Sie, wo Zusammensetzung, Gewichte, PCR-Anteil, PFAS-Nachweise und Kennzeichnungstexte heute liegen. Holen Sie die Verpackung aus dem Freitext heraus und machen Sie sie zu einer eigenen, verknüpften Entität mit Pflichtfeldern, die eine Freigabe blockieren, solange sie leer sind. Sorgen Sie dafür, dass Lieferantenaktualisierungen den Datensatz versionieren, statt eine Zelle zu überschreiben. Verknüpfen Sie Konformitätserklärungen und Labordateien im DAM mit dieser Verpackungs-ID. Erst dann automatisieren Sie die Ausspielung.

Ja, Modellierung und Datenpflege kosten in diesem Quartal Zeit. Aber denken Sie an die Szene vom Anfang: drei SKUs, ein Karton, eine Lieferantenaktualisierung und eine Anfrage nach der Konformitätserklärung, die in irgendeinem Postfach versandet. Das ist der Preis dafür, die Verpackung als Notiz zu belassen. Unter der PPWR ist die Anfrage nach der tatsächlich versandten Verpackung nicht mehr optional, und „niemand findet sie“ ist keine akzeptable Antwort mehr.

Viamedici erläutert die Verordnung, die Fristen und das Verpackungsdatenmodell hier ausführlicher: https://viamedici.com/blog/ppwr-pim-packaging-data/

Diagnose

Brauchen Sie überhaupt ein PIM?

Ermitteln Sie Ihren Komplexitätsindex, bevor Sie Software budgetieren oder einen Systemintegrator beauftragen.

Bewertung starten

Budget

Erste TCO-Schätzung erstellen

Übersetzen Sie die Struktur Ihres Katalogs in weniger als zehn Minuten in eine Kostenspanne über drei Jahre.

Kostenrechner öffnen